Technik für den Immobilienfotograf

1. Objektive

Selbstredend sind Weitwinkelobjektive gemeint, denn schließlich soll auch unter beengten Gegebenheiten »viel drauf« sein. Bei deren Auswahl wird folglich neben Preis und Systemanschluss auf eine kurze Brennweite geachtet. Umso kleiner der Zahlenwert der Brennweite, umso größer der Bildwinkel und die Übersicht in kleinen Räumen – aber auch umso größer die Gefahr, die Darstellung zu verfälschen. Denn mit großen Bildwinkel werden Areale weitläufiger präsentiert, als sie es in Wirklichkeit sind. Das kann mitunter zu Irritationen oder gar zu Verärgerung bei potentiellen Kunden führen.

Ist es auf Grund von zu geringem Platz nicht möglich, Gebäude aus einiger Entfernung zu fotografieren, entstehen beim Neigen der Kamera unweigerlich »stürzende Linien«. Diese sind um so stärker, je kürzer die Brennweite ist – und lassen Bauwerke schnell schief aussehen. Auch wenn uns die Erfahrung gegenteiliges wissen lässt, so ist doch der erste Eindruck vernichtend. Der professionelle Immobilienfotograf verwendet deshalb speziale Technik: Shift- und Tiltobjektive.

Ein nachträgliches Geradestellen mittels Bildbearbeitung führt nicht zu befriedigenden Ergebnissen. Denn das sogenannten Entzerren verschiebt Größenverhältnisse, was die Perspektive letztlich entstellt. Im Beispiel wird der Dachbereich des Hauses dadurch größer und gewaltiger abgebildet, als er tatsächlich ist.

Feierhalle im üblichen 3:2 Seitenverhältnis
Feierhalle im 3:2 Seitenverhältnis

Shift-Objektive ermöglichen zudem perspektivisch korrekte Erweiterungen des Bildwinkels nach oben, unten, rechts und links, weil die dazu notwendigen Fotos ohne Verschwenken oder Drehen der Kamera von gleicher Position aufgenommen werden können.

Bei mir kommen Objektive der Marke Nikon mit Brennweiten von 19 mm, 24 mm, 45 mm und 85 mm zum Einsatz.

Feierhalle im Panoramaformat
Feierhalle im Panoramaformat
Feierhalle im Hochformat
Feierhalle im Hochformat

2. Blitzgeräte

Feuer im Kamin
Feuer im Kamin

Häufig werden Innenaufnahmen zu dunkel abgebildet, weil die automatische Belichtung der Kamera durch Gegenlicht irritiert wird. Selten ist es eine gute Idee, diesem Umstand mit Blitzlicht zu begegnen, denn dadurch wird der Raumeindruck nachhaltig verändert. Kommt die zusätzlicher Beleuchtung beispielsweise aus der Aufnahmerichtung, werden nahe Dinge zu hell, weiter entfernte Objekte hingegen zu dunkel dargestellt. Dennoch haben Blitzgeräte beim Hervorheben von Besonderheiten durchaus Bedeutung, wie etwa beim Simulieren von Feuer in einem Kamin.

Der professionelle Immobilienfotograf erstellt mehrere unterschiedliche Belichtungen, die miteinander kombiniert werden. Dabei werden unterschiedliche Lichtintensitäten sowie -qualitäten effizient angepasst. So kann der zeitliche als auch materielle Aufwand am Aufnahmeort nachhaltig gesenkt werden, was für den Auftraggeber kostengünstig ist.

3. Stative

sind das wohl wichtigste Arbeitsmittel für den Immobilienfotograf und wurden bereits im vorhergehenden Artikel betrachtet. Bei der Auswahl eines Stativs kann der Preis eine erste Orientierung sein, korreliert der doch häufig mit Qualität und Gebrauchseigenschaften. Vor allem auf folgendes ist zu achten:

Die Höhe des Stativs: Die Kamera soll sich in Augenhöhe befinden, wenn der Immobilienfotograf dahinter steht. Denn ein ständiges Herunterbeugen verursacht zum einen Rückenschmerzen, und zum anderen muss aus der Betrachtungshöhe des potentiellen Käufers und Mieters fotografieren werden. Ist das Stativ zu klein, wird unweigerlich aus der Perspektive von Kindern fotografiert – die eher selten Immobilien erwerben.
Eine ausziehbare Mittelsäule scheint eine nützliche Möglichkeit zu sein, die Kamerahöhe schnell verändern zu können. Dabei ist aber Vorsicht geboten, denn sie macht das Stativ instabil.

Hoch, höher, am … Nicht selten ist ein Fotografieren aus größeren Höhen wünschenswert und notwendig. Sei es für Übersichten oder lediglich um über geparkte PKW hinweg fotografieren zu können. Der Einsatz von Drohnen scheint sich anzubieten, allerdings muss aus rechtlichen Gründen eine Genehmigung vorliegen. Zwar verletzt ein Hochstativ ebenso das Recht auf Panoramafreiheit, ist aber meist unauffälliger und wird weniger bedrohlich wahrgenommen.

Das Gewicht: Ein leichtes Stativ ist einfacher zu transportieren, allerdings geht Bequemlichkeit zu Lasten von Genauigkeit und Wiederholbarkeit. Denn ist das Stativ zu leicht, wird es im Außenbereich im wahrsten Sinne der Worte vom Winde verweht. Auch im Innenbereichs verrutscht ein zartes Stativ leicht auf glatten Böden.

Der Stativkopf schafft die Verbindung zur Kamera und ermöglicht dem Immobilienfotograf die exakte horizontale und vertikale Ausrichtung, um stürzende Linien zu vermeiden. Vor allem Artikel mit einem Schnellwechselsystem sowie einer spezielle Option zu Nivellierung sind zu empfehlen.